Igelfund


Sie haben einen Igel gefunden und wollen ihm die Möglichkeit bieten zu überwintern?

Dann sollten Sie folgende Schritte befolgen:

 

Bitte bedenken Sie vorab, dass der Igel ein Wildtier ist und auch nach der Überwinterung dies bleibt. Er darf nicht als Haustier gehalten werden und auch der Umgang mit ihm sollte auf Fütterung und Säuberung reduziert werden. Igel sind keine zahmen Haustiere und können sich wenn sie sich bedroht fühlen verteidigen.

 

Der erste Schritt sollte zum Tierarzt sein, da der kleine Vierbeiner eine Erstversorgung benötigt. Dafür ziehen Sie ein paar Gartenhandschuhe an, nehmen einen Karton zur Hand und heben den Igel vorsichtig in den Karton. Viele Igel sind von Parasiten wie Flöhe, Zecken, Würmer, etc. befallen, welche den kleinen Organismus sehr schwächen. Ist der Weg zum Tierarzt gemeistert, geht es weiter mit Gehege bauen, Fütterungsplan, usw.

 

In unserem Downloadbereich können Sie sich gerne noch mehr zum Thema "Igel" herunterladen und bei Fragen oder Problemen können Sie uns gerne kontaktieren.

 

 

                                                                   Ein Igel kommt selten allein...

                                                                 Die Igel-Hotline 0180- 5555 9551

Hilfe für Igel – weniger ist mehr

Wenn Tierfreunde im Herbst einen Igel finden, glauben sie häufig, dass die Tiere Hilfe benötigen, und suchen tierärztlichen Rat. Tatsächlich aber ist nicht jeder Fundigel hilfsbedürftig und die menschliche Fürsorge schadet ihm mehr als, dass sie ihm nützt. Um Ihnen eine Entscheidungshilfe zu geben, wann ein Igel wirklich Hilfe benötigt, haben wir für Sie einige Fakten zur Biologie des Igels, seinem Gesundheitszustand und seiner Erstversorgung zusammengestellt.

 

Der Igel in freier Natur

In Deutschland ist der Europäische Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) heimisch. Diese Igelart lebt als Kulturfolger in artenreichen Garten- und Parklandschaften. Er ist vorwiegend nachtaktiv und ernährt sich von Käfern Maden, Würmern, Schnecken und gelegentlich von Aas. Im Herbst legen Igel einen Fettspeicher an, von dem sie während ihres Winterschlafs zehren und dabei 20 bis 30 Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Im Winterschlaf schlägt das Herz des Igels nur noch achtmal pro Minute, die Atemfrequenz verlangsamt sich auf drei bis vier Züge pro Minute und die Körpertemperatur sinkt von 36 C im Wachzustand auf bis zu 5 C ab. Zwischen Mai und August paaren sich die Igel. Die meisten Würfe kommen im August zur Welt. Augen und Ohren der Jungen öffnen sich erst nach zwei Wochen. Etwa sechs Wochen lang werden sie von ihrer Mutter gesäugt. Ab dem 16. Tag können sie sich vollständig einrollen. Im Alter von 25 Tagen nehmen sie zusätzlich feste Nahrung zu sich. Nach der Entwöhnung von der Muttermilch sind die Jungen in der Regel selbstständiger und verlassen ihre Mutter. Jungigel, die Anfang Oktober 200g und Mitte Oktober 350g wiegen, haben gute Chancen, bis Anfang November ein Winterschlafgewicht von 500g zu erreichen. Nach dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz gilt der Igel als besonders geschütztes Wildtier, das nur dann in menschliche Obhut genommen werden darf, wenn es verletzt, hilflos oder krank ist. Nach seiner Gesundung muss der Igel wieder in die freie Wildbahn ausgesetzt werden. (Bundesnaturschutzgesetz §44 und §45).

 

Wann ist Hilfe nötig ?

Nur solche Igel, die tagsüber oder im tiefsten Winter umherstreifen, sich langsam oder „komisch“ bewegen, sich bei  Annäherung nicht einrollen, zeigen ein untypisches Verhalten, das auf einen schlechten Gesundheitszustand hinweisen kann. Manchmal sind auch Verletzungen oder Veränderungen zu erkennen, die eine tierärztliche Behandlung erfordern. Alle anderen Igel, die sich unauffällig verhalten und mit einem Gewicht von 500g in den Winterschlaf gehen, benötigen keine Hilfe.

 

Erste Schritte

Der erste Untersuchungsschritt sollte daher das grammgenaue Wiegen des Tieres sein. Zur weiteren Untersuchung muss man den Igel „aufrollen“, hierzu streichelt man sanft, aber intensiv über seine Rückenstacheln. Sobald sich das Tier entspannt hat, beurteilt man Gesicht, Ernährungszustand und Körperoberfläche. Die Unterseite des Igels lässt sich besichtigen, indem man die Hinterbeine im Mittelfußbereich fasst und hochhebt (Schubkarrenstand). Wenn vorhanden, sollte man aus dem Transportbehälter eine Kotprobe des Igels sichern. Ein gesunder Igel hat glänzende, etwas vorstehende Augen und eine feuchte Nase. Er ist an seiner Umgebung interessiert und reagiert auf Außenreize. Bei gutem Ernährungszustand geht der Kopf scheinbar ohne Hals in den rundum gut gepolstert Körper über. Kranke Tiere erkennt man an matten, eingefallenen Augen und einer trockener oder mit Sekret verklebten Nase. Bei schlechtem Ernährungszustand oder Dehydration bilden sich im Halsbereich Hungerfalten. Die Körperoberfläche sollte auf Wunden, Ekzeme, Entzündungen und Anzeichen für einen Ektoparasitenbefall untersucht werden. Bei den Körperöffnungen ist auf Spuren von Sekretfluss  oder Verschmutzungen durch z.B. Kot zu achten. Weitere Untersuchungen wie Inspektion der Maulhöhle können oftmals nur unter Sedation durchgeführt werden. Diese kann aber häufig erst nach einer Stabilisierung des Patienten vorgenommen werden.

 

Versorgung kranker Igel

Kranke Igel sind oftmals unterkühlt und dehydriert. Zur Erstversorgung gehören daher das vorsichtige Aufwärmen auf ca. 36 C Körpertemperatur sowie die Versorgung mit Flüssigkeit und Elektrolyten unter die Haut oder in den Maul. Abgemagerte Igel sollten zwangsgefüttert werden. Hierzu eigenen sich hochkalorische und nährstoffreiche Aufbaunahrungen oder Nährpasten für Hunde und Katzen, die man mit Wasser verdünnt und über eine Spritze tropfenweise ins Maul des Igels gibt. Igel sind häufig von Endoparasiten, am häufigsten Lungenwürmern befallen. Aber auch Kokzidien, Trematoden und Zestoden sowie weitere Nematodenarten parasitieren beim Igel. Vor der Entwurmung müssen geschwächte und dehydrierte Tiere stabilisiert und eventuell auch aufgepäppelt werden. Ektoparasiten sind bei Igeln fast immer zu finden. Fliegeneier, Maden und Zecken werden mit einer Pinzette abgesammelt. Flöhe werden mit entsprechenden Ektoparasitika bekämpft und die Umgebung des Igels die Behandlung mit eingeschlossen. Igelsäuglinge sollten nach Möglichkeit nicht mit Ektoparasitika behandelt werden. Die weiteren Behandlungsschritte richten sich nach Erkrankung und/oder Verletzungen des Igels. Außerordentlich wichtig ist die genaue Dosierung aller eingesetzten Medikamente, die unter Umständen auch eine Verdünnung der Wirkstoffe erforderlich machen kann.